Friedrich-Wilhelm-Herschel-Grundschule Herschelplatz 1 90443 Nürnberg
Friedrich-Wilhelm-Herschel-GrundschuleHerschelplatz 190443 Nürnberg 

Die Geschichte unserer Schule

Gründung der Schule: 1911
Schulform: Grundschule
Schüleranzahl: ca. 320
Lehrerkollegium: ca. 30

 

Wie alles begann
Um 1900 wuchs die Südstadt sehr schnell. Überall entstanden Fabriken, Siemens-Schuckert, MAN und wie sie alle hießen. Arbeitssuchende aus ganz Bayern, aber auch aus Thüringen, Böhmen, Österreich und der Schweiz strömten in den Süden Nürnbergs. Allen Migranten (von lateinisch „Wanderer“) gemeinsam war die Hoffnung auf ein Ende der Sorge um das tägliche Überleben. Mit diesen Erwachsenen kamen natürlich auch viele, viele Kinder. Wie ihre Eltern verloren auch sie ihre gewohnte Umgebung und mussten hier neu Fuß fassen.Es wurden zahlreiche Schulen gebaut, die sehr schnell wieder zu klein wurden. Als das Gibitzenhofschulhaus (das heutige Pirckheimer-Gymnasium) aus allen Nähten platzte, begann man 1910 ganz in der Nähe mit dem Bau eines neuen Schulhauses, auf Pump versteht sich, denn so voll war die Staatskasse damals auch nicht.Am 1.September 1911 war es dann so weit: Die neue Schule wurde nach dem Musiker und Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel benannt. Dieser kluge Mann hatte den Uranus entdeckt und die unsichtbaren Strahlen des Infrarot.Der Unterrichtsbetrieb begann mit 30 Schulkassen. Insgesamt gab es 45 Klassenzimmer, je zwei Turnhallen und Zeichensäle, fünf Aufenthaltsräume für Lehrer und mehrere Werkräume, in denen auch zukünftige Werklehrer ausgebildet wurden. Außerdem erhielten die Schüler eine Bibliothek.1913 wurden auf dem Grundstück vor dem Nordeingang, wo heute der Fußballplatz ist, zwei Schulbaraken für die Hilfsschule (heute: Förderschule) errichtet.Weil viele Menschen in ihren Wohnungen kein eigenes Bad hatten, war im Keller der Schule ab 1912 ein so genanntes „Brausebad“ eingerichtet. Dort konnte man preisgünstig duschen.
Erster Weltkrieg 1914 bis 1918
1915 musste das Brausebad aber schon wieder schließen, denn die Schule wurde nun auch als Massenquartier für Soldaten, die in den Krieg ziehen mussten und später auch als Reservelazarett benutzt. In der Zeit während des Ersten Weltkriegs litten die Kinder oft große Not. Für bedürftige Soldatenkinder gab es eine Schulspeisung. Für den Winter wurden Schuhe verteilt und einzelne Klassenzimmer blieben auch in den Ferien geöffnet, damit sich die Kinder aufwärmen konnten. Die durchschnittliche Klassenstärke betrug während dieser Zeit 48 Schüler. Im Schuljahr 1915/16 wurden die Lehrpläne gekürzt und jeder Lehrer musste zwei Klassen versorgen.Die Not zwang viele Mütter zu arbeiten. Viele Kinder mussten in Horten und Heimen untergebracht werden. Wegen der schlechten Lebensbedingungen erkrankten zahlreiche Schulkinder an Tuberkulose, der Krankheit der Armut.
Hitler und der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945)
1933 übernahmen Hitler und seine Nazipartei die Macht in Deutschland. In jedem Klassenzimmer musste jetzt ein „Führerbild“ hängen. Im Schuljahr 1936/37 wurde am Herschelplatz eine „Sammel-Sonder-Klasse“ für geistig schwerst behinderte Kinder eingerichtet. Schon zwei Jahre später wurde diese Einrichtung im Verwaltungsbericht der Stadt nicht mehr erwähnt. Was ist mit diesen Kinden wohl passiert? Vermutlich wurden sie alle ermordet. Nach dem Krieg wollte sich niemand mehr so recht an diese Sache erinnern...Ein gewisser Otto Barthel, der die Entwicklung der Nürnberger Schulen untersuchte, bemerkte dazu in seinem 1964 erschienenen Buch (Die Schulen in Nürnberg 1905 bis 1960, Nürnberg 1964, S. 140): „Nach der Instandsetzung des Südbaues wird auch die Hilfsschule wieder einziehen, die hier vor dem Kriege neben Hort und Schulgarten auch ein Tagesheim für nicht hilfsschulfähige Kinder besaß.“Im Zweiten Weltkrieg musste unsere Schule auch wieder als Lazarett herhalten. Die Schüler wurden ins Gibitzenhofschulhaus ausgelagert. Kurz vor Kriegsende, am 16. März 1945, wurde das Gebäude fast völlig zerstört.Die zusammengebrochenen Stockwerke begruben unendlich viel gelebte Zeit unter sich.
Die Stunde Null – Aus Ruinen entsteht das tragfähige Neue
Am 1.Oktober 1945 nahmen sieben überlebende Lehrkräfte den Schulbetrieb in der Ruine wieder auf. Die Klassenzimmer hatten oft weder Fensterscheiben noch eine Heizung. Oft war nur ein so genannter Betreuungsunterricht von ein- bis eineinhalb Stunden möglich.Viele Menschen waren jetzt obdachlos und versuchten, in der Schulruine notdürftig Unterschlupf zu finden. Personen, die keine Nazis gewesen waren, erhielten, wenn sie Glück hatten, eine solche Notwohnung. Auch einige Handwerker richteten sich provisorische Werkstätten ein.
Während dieser Zeit mussten aber nicht nur die Schüler, die den Bombenhagel überlebt hatten, unterrichtet werden, sondern auch zahlreiche Flüchtlingskinder (In den Jahren 1945 bis 1948 waren 10 % der volkschulpflichtigen Kinder Flüchtlinge.). Nach ihrer erzwungenen Migration war die Herschelschule für sie die erste Station in einem neuen Leben.
1949/50 wurde eine Versuchsklasse „Freiwilliges 9. Schuljahr“ in Nürnberg gestartet. 1952/53 wurde das 9. Schuljahr für alle, die keinen Ausbildungsplatz haben, Pflicht. Für die Herschelschule war das besonders schwierig, weil es für 1200 Schüler nur 21 Unterrichtsräume gab.Der Unterricht fand damals im Schichtbetrieb statt – unter allerschwierigsten Bedingungen: Den Kindern wurden „Konzentrationsstörungen“ und „motorische Unruhe“ als Folge der Kriegstraumatisierung nachgesagt. Auch die Lehrer waren gesundheitlich durch ihre Kriegsschicksale angeschlagen. Trotzdem bemühte man sich um die Gestaltung des Schullebens. Es wurden Eltern- und Musikabende organisiert.
1964 wurde der Pausenhof mit dem Drachenbrunnen verschönert. Im Januar 1965 zog die Förderschule in den Nordflügel ein, wo sie bis zum Juli 2007 blieb.Am 6. Mai 1965 war es endlich so weit: Der Wiederaufbau war abgeschlossen, der Schichtbetrieb hatte ein Ende. Es gab nun 20 Klassenzimmer, zwei Turnhallen und einige Sonderräume.
Entwicklung nach 1965
Nach dem Ende der Wiederaufbaumaßnahmen kam es noch zu zahlreichen Um- und Ausbauten, die notwendig wurden, weil ab den 70er Jahren ein neuer Migrantenstrom, man nannte die Menschen damals „Gastarbeiter“, in der Südstadt eine dauerhafte Bleibe suchte. Und zur Zeit? Nun, die Migrantenkinder kommen heute zu einem großen Teil aus Osteuropa. Aber eigentlich fällt das in unserer Multi-Kulti-Schule keinem so richtig auf. Und das ist auch gut so.


Fazit: Die ganze Welt trifft sich am Herschelplatz!
Wenn man sich die Geschichte unserer Schule näher ansieht, so wird klar, dass die Herschelschule schon immer stark von Migration geprägt war. Die meisten Menschen kamen mehr oder weniger freiwillig, auf der Suche nach Arbeit hierher. Gerade im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg gab es aber auch viele unfreiwillige Neuankömmlinge.Allen Migranten gemeinsam ist die Ungewissheit und die Hoffnung. Wer sich diesen Hintergrund bewusst macht, kann sicherlich auch leichter Verständnis für problembeladene Jugendliche aufbringen, Vorurteile abbauen und gerechter urteilen.
Integration ist ein langwieriger Prozess, aber nichts Neues für unser altes Schulgemäuer und die vielen Menschen - die seit 100 Jahren – einen Teil ihrer Lebenszeit hier verbrachten oder gerade verbringen.

Heyke Feigl

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